Grüner Landtagskandidat fordert mehr Geld für Weidetierschutz in Siegen-Wittgenstein

Michael Hartwich drängt beim Wolfsmanagement auf schnelle, unbürokratische Hilfen beim Herdenschutz und staatliche Unterhaltszuschüsse für Herdenschutzhunde.

Erndtebrück. Angesichts der anhaltenden Diskussionen um Rissereignisse im Grenzgebiet zwischen den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe wirbt Michael Hartwich, grüner Landtagskandidat für den Wahlkreis 127 Siegen-Wittgenstein II, für einen sachlichen und lösungsorientierten Umgang mit dem Wolfsmanagement. Um die Akzeptanz des Artenschutzes langfristig zu sichern, müssten die Sorgen der heimischen Weidewirtschaft ernst genommen und gemeinsam tragfähige Lösungen entwickelt werden.

„Die Rückkehr des Wolfes ist ein Erfolg für den Naturschutz, stellt uns in unserer waldreichen Mittelgebirgsregion aber vor spürbare Herausforderungen“, erklärt Hartwich, der in Erndtebrück lebt.

Hartwich verweist dabei auch auf potenzielle Chancen für den regionalen Waldumbau: „Gerade in unserer Region, wo riesige Schadflächen zu klimaresilienten Mischwäldern umgebaut werden müssen, kann die Rückkehr des Beutegreifers örtlich auch positive Effekte haben. Langzeitstudien zur Waldverjüngung – wie aus den ostdeutschen Wolfsrevieren – legen nahe, dass die Präsenz von Wölfen das Verhalten von verbeißenden Wildarten beeinflussen und so stellenweise Verbissschäden an Forstkulturen mindern kann. Das ersetzt zwar keinesfalls die Bejagung – etwa beim Rehwild –, kann aber dort, wo es greift, teure Schutzmaßnahmen ersparen. Bei allen Herausforderungen in der Weidewirtschaft müssen wir den Wolf daher ganzheitlich und im Kontext unseres gesamten Ökosystems betrachten.“

„Die extensive Weidehaltung durch Schafe, Ziegen und Rinder prägt weite Teile unserer Region und ist für die biologische Vielfalt unverzichtbar. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist die Trupbacher Heide im Siegerland: Dieser einzigartige Naturraum und seine wertvollen Offenlandflächen können nur durch die kontinuierliche, schonende Arbeit von Beweidungsbetrieben im Sinne des Naturschutzes offengehalten und gepflegt werden. Unsere Tierhalterinnen und Tierhalter leisten in der gesamten Region einen unschätzbaren Beitrag, stehen aktuell jedoch unter hoher wirtschaftlicher und psychischer Belastung. Ein Wolfsübergriff betrifft nie nur den Betrieb an sich, sondern führt durch Stress in den Herden auch zu gesundheitlichen Folgen wie Fehlgeburten bei den Nutztieren. Wir müssen jetzt konsequent etwas gegen die Hilflosigkeit der Betroffenen tun – und zwar durch schnelle, unbürokratische und praxisnahe Unterstützung vor Ort.“

Hartwich betont dabei auch die verbindliche Eigenverantwortung im Herdenschutz, sieht aber auch die Politik in der Pflicht: „Ein wirksamer Schutz der Herden bildet die unverzichtbare Grundlage für die Koexistenz von Mensch, Weidetier und Wolf. Wer Tiere hält, trägt die Verantwortung, sie bestmöglich vor Gefahren zu sichern. Durch konsequente Präventionsmaßnahmen lässt sich die Anzahl der Übergriffe maßgeblich senken. Klar istaber auch: Wir dürfen die Betriebe bei dieser Mammutaufgabe keinesfalls allein lassen. Seit August 2025 steht den Betrieben eine landesweite 100-Prozent-Förderung für Schutzmaterial zu. Das Material ist aber nur die halbe Miete. Ich setze mich dafür ein, dass das Land NRW – analog zu Niedersachsen oder Brandenburg – auch die erbrachten Arbeitsleistungen beim aufwendigen Zaunbau und der Pflege im unwegsamen Gelände finanziell bezuschusst. Ein massives Defizit sehe ich zudem bei den Herdenschutzhunden: Die Anschaffung wird zwar bezahlt, aber Futter, Tierarzt und Versicherungen belasten die Erlöse einer Schäferei erheblich. Gerade größere Herden, die feste Herdenschutzteams aus mehreren Hunden brauchen, stehen hier vor großen finanziellen Hürden. Dass es anders geht, zeigen Baden-Württemberg und Brandenburg, wo der laufende Unterhalt zertifizierter Schutzhunde staatlich bezuschusst wird.“

Gleichzeitig plädiert der Landtagskandidat für klare und verlässliche Regeln beim Umgang mit auffälligen Wölfen sowie für die konsequente Einhaltung rechtsstaatlicher Grundsätze: „Wölfe, die einmal gelernt haben, dass Nutztiere eine leichte Beute sind, werden dieses Verhalten immer wieder zeigen – das sehen wir aktuell im Fall von Wolf ‚Milan‘. Wenn ein Einzeltier wiederholt angreift und dabei nachweislich auch ordnungsgemäß errichtete Schutzzäune überwindet, ist eine schnelle und konsequente Entnahme zum Schutz der Weidetiere der einzig richtige Schritt. Das verhindert auch, dass andere Rudelmitglieder dieses Verhalten lernen. Jeder Form von illegalen Abschüssen erteile ich eine klare Absage. Sie beschädigen den Rechtsstaat und müssen konsequent verfolgt werden. Gleichzeitig trete ich dafür ein, dass eine behördliche Entnahme von nachweislichen Problemwölfen schnell, verlässlich und rechtssicher umgesetzt werden kann. Einer generellen Begrenzung oder Regulierung der Bestände erteile ich hingegen eine Absage: Aus biologischer Sicht regeln Wölfe ihre lokalen Bestände durch ihr ausgeprägtes Territorialverhalten und die natürliche Revierverteilung von selbst.“

Um auf allen Ebenen Rechtssicherheit zu schaffen, sieht Hartwich auch das Land in der Pflicht: „Wir benötigen handwerklich saubere und gerichtsfeste Leitlinien für die lokalen Behörden. Wenn Abschussbescheide im Nachhinein – wie im Sommer beim Kreis Olpe – aufgrund formaler Mängel und fehlenden Herdenschutzes juristisch gestoppt werden, sorgt das bei allen Beteiligten für Verunsicherung. Nur durch einen flächendeckenden Herdenschutz wird eine konfliktarme Koexistenz erreicht und bei Bedarf die notwendige Rechtssicherheit bei der Entnahme gewährleistet.“

Kontakt:

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Siegen-Wittgenstein

Landtagskandidat im Wahlkreis 127: Michael Hartwich

E-Mail: michael.hartwich@gruene-siegen-wittgenstein.de

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